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Globalisierungstheorien

In diesem Kapitel soll nicht der strapazierte Globalisierungsbegriff  erklärt, sondern lediglich Globalisierungstheorien von Modernisierungstheorien abgegrenzt werden. Globalisierung ist erst einmal ein weltweit auftretendes Phänomen und betrifft sowohl Unternehmen moderner als auch weniger moderner Gesellschaften. Außerdem sind drei Prozesse zur Liberalisierung des Weltmarkts allen Globalisierungstheorien gemein, die Einkommensungleichheiten behandeln: Zunächst führe die Liberalisierung zu einem freieren Außenhandel, der aber auch zur Folge habe, dass nationale Volkswirtschaften weniger in der Lage sind sich effektiv über staatliche Instanzen zu schützen. Weiter wird auf die zunehmende Arbeitsmigration sowie den nahezu unbeschränkten Kapitalverkehr verwiesen.

Im Gegensatz zu der These in Modernisierungstheorien, dass nach Übergangsphasen verschärfter Einkommensungleichheit eine beständige Angleichung zu verzeichnen wäre, sehen Globalisierungstheorien eine langfristige Verschärfung von Einkommensungleichheiten voraus. Die genannten Prozesse beinhalten dabei zugleich Argumente für den Unterbau der Theorie. So seien insbesondere Agrar- und Produktionsunternehmen entwickelter Gesellschaften der internationalen Konkurrenz aus Billiglohnländern im wachsenden Außenhandel nicht gewachsen, und ließen Arbeitsentgelte und Kapitalrenditen sinken. Des Weiteren steige die Nachfrage für immer qualifiziertere Tätigkeiten auf dem Arbeitsmigrationsmarkt durch technische Modernisierung und Tertiarisierung, insbesondere im Dienstleistungssektor bspw. nach dem GATS (General Agreement on Trades in Services).[1]

Das GATS regelt den Konkurrenzkampf von gesuchten qualifizierten Arbeitskräften und überschüssigen unqualifizierten Kräften über nationale Grenzen hinweg. Dieses Verhältnis führt dazu, dass die Einkommen der besser Qualifizierten steigen, während die Löhne und Gehälter der unqualifizierten Arbeitenden sinken.  Den dritten Grund zur Verschärfung von Einkommensungleichheit beschreibt Hradil im schnellen, weltweit agierenden Kapitalverkehr, der Unternehmen aufgrund des harten weltweiten Wettbewerbs zwingt Fremdkapital zu nutzen und so mehr auf die Gewinninteressen von Teilhabern und Aktionären einzugehen. Dass in dieser Form des „shareholder Kapitalismus“’ lediglich kurzfristige Profiterzielung und nicht mehr die Etablierung einer langfristig erfolgreichen Unternehmensführung der zentrale Maßstab ist, lässt sich als Schattenseite der Liberalisierung des Welthandels festhalten, da so auch die politische Einflussnahme multi- bzw. transnationaler Unternehmen allein über ihre Finanzkraft wesentlich zunimmt.

Aus Sicht der Globalisierungstheorie [wird sich] mobiles Kapital besser als immobiles der Besteuerung in Form von Einkommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuern entziehen können. Multinationalen Unternehmen wird es ebenfalls eher als nationalen möglich sein, Unterschiede zwischen einzelnen Ländern in der Unternehmensbesteuerung auszunutzen.[2]



[1] Hradil, a.i.F., S.464.

[2] Hauser, Richard 1997: Globalisierung und personelle Einkommensverteilung. In: Fricke, Werner (Hrsg.): Jahrbuch Arbeit und Technik. Bonn: Dietz. S.74.


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