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Reichtum in Deutschland

Was ist Reichtum konkret? Armut festzustellen erscheint einfacher, da es irgendwann nicht mehr weiter nach unten geht, aber bei der nach oben hin offenen Reichtumsskala gestaltet sich eine scharfe Begriffstrennung ungemein schwieriger. Aus diesem Grund unterscheidet Wolfgang Lauterbach zwischen Wohlhabenden, Reichen und Vermögenden. Wohlhabend ist, wer annähernd eine Million Euro zur ständigen Verfügung hat. Damit verglichen verfügen Reiche und Vermögende über höhere Mittel, wobei die Vermögenden sich dadurch abgrenzen, dass sie einen Teil ihres Wohlstands statt es zu vererben per Schenkung abgeben.[1]

Reichtum ist wie Armut zunächst einmal relativ und damit, wenn überhaupt, nur schwer messbar. Doch es ist möglich ein differenziertes Bild der Gesellschaft, sowohl über soziale Ungleichheit und Ausprägungen sozialer Ausgrenzung, als auch über Armut und Reichtum als Aspekte der Wohlstandsverteilung zu zeichnen. Leben unterhalb dessen, was einem durchschnittlichen Haushalt zur Verfügung steht, markiert in Folge die Armutsgrenze. Gleichbedeutend bezeichnet das Überschreiten des doppelten durchschnittlichen gewichteten Haushaltseinkommens die Reichtumsgrenze. Es interessiert im Folgenden nicht das persönliche, sondern das verfügbare Haushaltseinkommen, da es den Lebensstandard der Menschen prägt. Diese Definition von Einkommen schließt alle Einkommensquellen aus Erwerbsarbeit und Besitz sowie auch die wohlfahrtsstaatliche Einkommensumverteilung mit ein.[2]

Doch es gibt nicht nur eine quantitative, am Kapitalwert bemessene, Reichtumsdefinition, sondern auch eine qualitative Ebene: „Je niedriger das verfügbare Haushaltseinkommen ist, um so stärker ist der Verbrauch auf die Befriedigung des unumgänglichen Grundbedarfs wie Wohnen, Essen, Energie etc. konzentriert.“[3]

Mit steigendem Haushaltseinkommen über 10.000 DM verschieben sich nach Ernst-Ulrich Huster,
Mitglied der Arbeitsgruppe von Nicht-Regierungs-Experten der Europäischen Kommission in Brüssel im Rahmen der Nationalen Aktionspläne gegen soziale Ausgrenzung, die Haushaltsausgaben hin zu einer freieren Qualität mit großen Spielräumen in Bereichen Haushaltsführung, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, Bildung und Unterhaltung und persönlicher Ausstattung. Gestaffelt nach Güterarten steigt mit höheren verfügbaren Einkommen die Möglichkeit, langlebige hochwertige Gebrauchsgüter anzuschaffen. Dabei ist zu beachten, dass Einkommen im Gegensatz zum Vermögen eine schwankende Fließgröße darstellt. Vermögen besteht tendenziell länger und kann seinerseits erneut Quelle von Einkommen sein, was die Gruppe der Reichen wiederum in verschiedene Kategorien von relativ Reichen und sehr Reichen unterteilt. So kann für manch vermögende Gruppe hohes Einkommen für Faktoren wie den persönlichen Verbrauch und der Sicherung einer gehobenen Lebensqualität ohne Bedeutung sein, unter anderem weil die Sparquote, also das Geld was man monatlich nicht zur Bedürfnisbefriedigung aufwenden muss, mit steigendem Vermögen zunimmt und man umso mehr an die Seite legen kann. Stattdessen rückt der Ausbau einer selbständigen Existenz, die Vermehrung von Kapital- und vor allem Produktivvermögen in den Vordergrund. Dazu haben trotz eines beachtlich hohen Lebensstandards genug finanzielle Ressourcen vorhanden zu sein, um die Ressourcen selbst wieder produktiv für neues Einkommen tätig werden zu lassen. Produktivvermögen bedeutet in diesem Zusammenhang den Teil des Vermögens, der sich aus dem materiellen Vermögen wie Sachanlagen, Ressourcen, Grund und Boden sowie dem Arbeitsvermögen, der Summe aller Fähigkeiten und Erfahrungen der Arbeitskräfte, zusammensetzt und zur Leistungserstellung dient.



[1] Vgl. a.i.F. Werding, Stefan 2007: Wie wird man reich? In: Westfälische Nachrichten Nr. 226 vom 28. September 2007. 

[2] Hradil, Stefan 2005: Die „neue“ soziale Ungleichheit. Warum werden die meisten entwickelten Gesellschaften wieder ungleicher? S.461. Künftig zitiert: Hradil.

[3] Huster, S. 14f.


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