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Vermögende in Deutschland
„Die meisten Menschen haben heute den Eindruck, dass das Oben und das Unten der Gesellschaft weiter auseinander rücken, und sich diese Schere in Zukunft noch weiter öffnen wird. Außerdem wächst die Angst unter den Menschen, dass die mittleren Lagen der Gesellschaft zerfasern, und immer mehr Menschen in die obersten Reichtumslagen und vor allem in die untersten Armutslagen geraten werden.[1]

 

Zum ersten Mal seit der sozialliberalen Koalition, die Ende der 60er und Anfang 70er an der Macht war, ist der Schwerpunkt in der politischen Agenda wieder auf die Chancengleichheit in der Gesellschaft gelegt worden. Die Schere zwischen Arm und Reich ging schon zuvor auseinander, aber die Symptome konnten wegen der stärkeren Förderung sozial Benachteiligter - beispielsweise über Sozialleistungen -relativ effektiv bekämpft werden. Spätestens mit den 80er Jahren ging eine verteilungspolitische Kurskorrektur einher. Mit der Begründung, man wolle neue Arbeitsplätze schaffen, wurden asymmetrische Verteilungsstrukturen legitimiert. Mit der Überwindung der Massenarbeitslosigkeit kam das Totschlagargument der Globalisierung auf, das ohne großen Protest zu Lohnzurückhaltung in der primären Verteilung, Steuersenkungen gerade im Spitzenbereich, sinkenden Sozialleistungen sowie übernommenen unternehmerische Risiken durch staatliche Finanzierungen berechtigte. Aus Gründen der Haushaltskonsolidierung war eine Minderung ausgleichender Maßnahmen durch den Staat unvermeidlich, da längst keine Verhältnismäßigkeit mehr gegeben war.

Zuvor sollte schon den Bürgern durch die Währungsreform vom 20. Juni 1948, die jedem gleich viel Geld in die Hand versprach um gleiche Startbedingungen zu schaffen, zu mehr Chancengleichheit verholfen werden. Das Konzept der sozialen Marktwirtschaft stellte den Rahmen für wirkende Marktkräfte dar und schützte gleichzeitig diejenigen, die in diesem System nicht mithalten konnten vor sozialer Verwahrlosung, indem Voraussetzungen für eine soziale Absicherung geschaffen wurden. Der relativ schnell einsetzende Wirtschaftsboom und die damit verbundene Verbesserung der Lebenslage von Arbeitenden und später auch der Sozialleistungsempfänger verbarg lange Zeit, dass

 

„nicht nur die Vorstellung gleicher Startbedingungen Fiktion war, sondern dass mit dem Fortbestehen der alten Besitzverhältnisse die Verteilung erneut stark asymmetrisch war, wobei die neoliberale Wirtschaftspolitik massiv den bereits bestehenden und den neu dazugekommenen Reichtum förderte.“[2]


[1] Eurostat/Europäische Kommission 2001: Beschreibung der sozialen Lage in Europa 2001. Luxemburg: Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften. S.48.

[2] Huster, Ernst-Ulrich, : Reichtum in Deutschland: Die Gewinner der sozialen Polarisierung. S.11. Künftig zitiert: Huster.


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