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Faktoren wachsener Ungleichheit

Bei der Ideologie einer gleichen Gesellschaft sollte immer mitschwingen, dass in der Realität eine absolute Gleichheit weder umsetzbar noch wünschenswert wäre, da es dem Leistungsprinzip und damit der Motivation eines Individuums, in seinem Leben etwas erreichen zu wollen, widerspräche. Allerdings revidiert das in keiner Weise den grundsätzlichen Wunsch zu einer tendenziellen Angleichung von Chancen und Einkommen in der Gesellschaft über staatliche Regulierungsformen. Es zeigt sich, dass die Auslese der Eliten in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nicht mittels Bildung sondern über die soziale Herkunft geschieht. So macht der Nachwuchs aus dem Großbürgertum seine Karriere fast doppelt so schnell und jeder 16. schafft es in Positionen von Spitzenunternehmen gegenüber jedem 50. Promovierten der Arbeiterklasse.

Um die Tendenz wachsender Ungleichheit wissenschaftlich erklärbar zu machen werden Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung herangezogen. Die Armutsquote in Deutschland ist seit 1985 nahezu konstant und die Zahl der Sozialhilfeempfänger ist in den 90er Jahren sogar gewachsen. Niedrige Lohnabschlüsse, ein Steuersystem, das Reiche und Vermögende begünstigt, und öffentliche Sparpolitik haben die soziale Schieflage noch verschärft.[1]

All diese Entwicklungen haben in Deutschland dazu geführt, dass eine breite Mehrheit der Auffassung ist, dass Arme immer ärmer und Reiche immer reicher würden, also die Schere zwischen Armut und Reichtum immer weiter auseinander gehe und die Chancengleichheit in der Gesellschaft darunter leide. Eine aktuelle Folge dieser Wahrnehmung ist der soziologische Begriff des Prekariats, der den prekären Charakter einer marginalisierten Gesellschaft bezeichnet, unter dem die schwächer ausgebildeten Bezieher niedriger Einkommen zunehmend ihre Hoffnungen verlieren. Denn auch wenn geringes Einkommen als Armutsindikator nicht ausreicht, ist es eine einfache Methode mit dem Bezug auf größere Fallzahlen wie auch im zweiten Armuts- und Reichtumsbericht Einkommensungleichheit nach Markteinkommen unterschieden wird. Herauszustellen ist, dass Einkommensverteilung das Ergebnis wechselseitig bezogner und multikausaler Prozesse im gesamtwirtschaftlichen Kreislauf ist. So werden Löhne und Einkommen zunächst zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden festgelegt und unterliegen erst in der Sekundärverteilung den Instrumenten der Finanz-, Steuer-, Vermögensbildungs- und Sozialpolitik. In Deutschland ist eine Tendenz zur stetig zunehmenden Ungleichverteilung von Bruttoeinkommen festzustellen, die in Maßen auf die relative Zunahme von Teilzeitbeschäftigung geringen Umfangs, wie in Zeitarbeitsfirmen oder besonders bei Müttern, zurückzuführen ist.[2]


Nach dem Bericht der Bundesregierung verfügen in den alten Bundesländern die reichsten fünf Prozent der Bevölkerung über 12 bis 14 Prozent des Gesamteinkommens. Den ärmsten fünf Prozent verbleibt dagegen ein Einkommensanteil von nur 1,7 Prozent. In den neuen Bundesländern ist diese Ungleichheit weniger stark ausgeprägt: Hier verfügen die reichsten fünf Prozent der Bevölkerung über zehn Prozent des Gesamteinkommens, wenn auch bei leicht ansteigender Tendenz. Den ärmsten fünf Prozent verbleibt ein Einkommensanteil von etwa zwei Prozent. Trotz der erheblichen Einkommenssteigerungen, so heißt es, hätten sich diese Relationen bisher vergleichsweise wenig geändert.[3]

Ausschlaggebend könnte diesbezüglich in den neuen Bundesländern die insgesamt anteilig geringe Beschäftigungsquote sein. Hohe Arbeitslosigkeit ist ein großes und direktes Problemfeld in Deutschland, denn Arbeitslosigkeit bedeutet nicht nur Abhängigkeit von Transfereinkommen, sondern auch Gefahr von Armut und sozialer Ausgrenzung zum Beispiel als Sozialhilfeempfänger. Gerechte Sozialpolitik unternimmt alles, damit von Arbeitslosigkeit Betroffene neue Chancen am Arbeitsmarkt erhalten, doch liegt die Hauptverantwortung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze bei den Unternehmen. Mit der Agenda 2010 versucht die Bundesregierung Rahmenbedingungen für Wachstum und Beschäftigung zu schaffen, um die Teilhabechancen aller am Arbeitsmarkt zu erhöhen. Das Erste und Zweite Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt eröffnen neue Möglichkeiten der Beschäftigung und verbessern die Qualität und Schnelligkeit sowie die Flexibilität der Arbeitsvermittlung durch die Liberalisierung bestehender Beschränkungen und zudem spezieller Einrichtungen wie Personal-Service-Agenturen. Im Dritten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt liegt die Basis zu einer effektiven und dienstleistungsorientierten Arbeitsverwaltung, während mit dem Vierten Gesetz, über die Zusammenführung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu einer bestimmten Grundsicherung, insbesondere Langzeitarbeitslose und junge Menschen gefördert werden.[4]

In der öffentlichen politischen Debatte um Gründe der hohen Arbeitslosenquote und daraus folgend unsicheren Lebenslagen sowie wachsender Ungleichheit werden vorzugsweise externe, nicht direkt beeinflussbare, Effekte als verantwortlich gesehen. Im Anschluss möchte ich Theorien zu zwei, in dieser Argumentation als kausal betrachteten, Prozesse der Modernisierung und Globalisierung kurz  vorstellen sowie abschließend die Perspektiven und sich bietende Chancen behandeln: 

„So wie heute Modernisierung und Globalisierung […] Hand in Hand in die gleiche Richtung der Verschärfung von Einkommensungleichheiten wirken, so könnten sie morgen gemeinsam in Richtung wachsender Gleichheit gehen.“[5]  


[1] Hans-Böckler-Stiftung 2003: Armut und Reichtum in Deutschland. Forschungsinitativen für mehr Verteilungsgerechtigkeit. Düsseldorf. S.15. Im Internet: http://www.boeckler.de/pdf/p_fo_arm_und_reich_2003.pdf (Stand 23.09.2007). Künftig zitiert: Hans-Böckler-Stiftung.

[2] Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) 2004: Lebenslagen in Deutschland. Der 2-Armuts-und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Berlin. S.70. Im Internet: http://www.sozialpolitik-aktuell.de/docs/Lebenslagen%20in%20Deutschland_EndBericht.pdf (Stand 20.09.2007). Künftig zitiert: BMAS.

[3] Hans-Böckler-Stiftung. S.19.

[4] Vgl. A.i.F. BMAS. S.316.

[5] Hradil, S.481.


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